Spannend , aufregend und traumhaft schön zugleich - ein Segeltörn auf dem Bodensee. Hier berichte ich (spannend, wie manche urteilen), wie ich dieses Abenteuer er- und überlebt habe..
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Story
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Ruhig
vor sich hin schaukelnd, die Segel gerafft lag sie vor uns - die "Thomapyrin".
Dieses Segelboot sollte uns in ein unvergessliches Wochenende tragen, dessen
Reichhaltigkeit an Erlebnissen zu diesem Zeitpunkt noch keiner erahnen
konnte.
Morgens, kurz vor 9 Uhr im heimatlichen Ochsenhausen. Fredl, Sane und Manuel warten auf den Rest der Mannschaft. Fünf Minuten zu spät treffen meine Freundin Julia und ich ein, wie immer unpünktlich ( natürlich meine Schuld ). Es fehlen eigentlich nur noch Tobias und Yvonne und der Trupp könnte sich in Bewegung setzen. Ein kurzer Anruf klärt die Lage: Ein abgehetzter Tobias meldet sich am Handy und versichert bereits auf dem Weg zu sein. Wir vereinbaren einen neuen Treffpunkt, an dem wir noch Proviant nachrüsten.
Nachdem wenig später der Zug von drei PKW komplett und die Vorräte, hauptsächlich Flüssige, verstaut waren, konnte die Reise beginnen. Der Konvoi setzt sich in Richtung Bodensee, genauer nach Hagnau, in Bewegung.
Angekommen im Yachthafen von Hagnau erwartet uns schönstes Spätsommer
Wetter. Den Schrecken während der einstündigen Fahrt scheinen
bereits alle vergessen zu haben:
Ein offenbar sehr egozentrischer PKW - Lenker bequemte sich mitten in einer
Ortsdurchfahrt von Tempo 50 in den absoluten Stillstand zu bremsen. Unser Skipper
Fredl, der Lenker des nächst folgenden Fahrzeugs, brachte seinen VW Passat
gerade noch zum Stehen, Tobi der im folgte, konnte seinen Kleinwagen dank Reaktionsvermögen
und ABS ebenso rechtzeitig abbremsen. Nur ich, den letzten beißen ja
bekanntlich die Hunde, hatte keine Chance mehr die schwere Karosserie meines
Wagens zum Halten zu überreden. Mit quietschenden Reifen bretterte ich
in den Vorhof eines Obstbauern, meiner Ansicht nach die letzte Möglichkeit
einen Auffahrunfall zu verhindern. Zugegeben, etwas verblüfft, stand ich
nun direkt neben Tobias welcher ähnlich überrascht schien. Gottseidank
noch einmal gut gegangen. Weiter ging's, jedoch mit wesentlich mehr Abstand
zum Vordermann.
Wie
gesagt, stehen wir jetzt im Yachthafen von Hagnau. Die Vorräte auf
einen Handwagen packend scherzen wir bereits über die wohl kommenden
Geschehnisse "auf See". Da liegt sie, die Thomapyrin. Der Name
unseres Bootes rührt vom Besitzer her, dem Boehringer - Ingelheim
Yacht Club. Mit ihren 7,5 Metern Länge und 2,5 Metern Breite zählt
sie noch zu den kleineren Booten im Hafen, doch für unsere Zwecke
vollauf genügend. Das Boot beladen und ein erfrischendes Bier in der
Hand verlassen wir mit tuckerndem Motor den Hafen.
Eine
leichte Briese liegt in der Luft. Was Fredl als "Flaute" bezeichnet
ist gerade noch genug, um gemütlich über den See zu schippern
und eine rustikale Brotzeit zu genießen. Genießen? Naja, bei
der Menge an Vorräten müssen alle kräftig zulangen um wenigstens
einen Bruchteil unser sechs Laib Brote zu verdrücken.
Das Wetter zeigt sich von allen Seiten. Von der Schönen, mit Sonnenschein und leichtem Wind, von der Gemäßigten, bei bewölktem Himmel und Windstärke 2 und ... ja, mehr sollte noch kommen.
Nach einem bequemen Tag an Bord fährt die "Thomapyrin" dann in den Hafen von Meersburg ein. An Bord eine Mannschaft die vom Baden, vom kühlen Bier, dem frischen Wind und viel Gelächter doch ein wenig müde ist. Das Weinfest, welches an diesem Wochenende in Meersburg stattfinden sollte, ist trotz der morgendlichen Vorfreude kein lockendes Ereignis mehr.
So beschließen wir den Abend auf dem Boot zu verbringen, was sich als Heidenspaß erwies. So trank, scherzte und unterhielt man sich bis spät in die Nacht im kleinen Hafen. Die Möglichkeit, sich vom nahegelegenen Weinberg noch ein paar Reben "auszuleihen" nutzten wir natürlich. Vielleicht hätten wir uns etwas besser absprechen sollen, denn so kam es, dass am nächsten Morgen noch ein, zwei Reben übrig waren. Auch war das Resultat dieser nächtlichen Aktion erst in der Morgensonne des Sonntags wahr zu nehmen: Ein Boot, dessen ehemals weiße Planken zum Radieschen sähen prädestiniert waren. Eines kann ich übrigens nach dieser Nacht bestätigen: Nach einem längeren Aufenthalt auf einem kleineren Boot scheint der Boden beim Landgang immer noch zu schwanken. Oder lag es am Hefeweizen? Egal, es schwankte eben.
Fredl
ist am Sonntag der Erste auf den Beinen. Als ich ihm begegne blickt er
bereits wehmütig auf den See hinaus, auf dem sich das Wasser kräuselt.
Der Wind scheint optimal für einen weiteren Angriff. Nach einem gepflegten
Frühstück, hissen wir die Segel um wieder in See zu stechen.
Der Wind bälst kräftig. Die Signalleuchten rings um den See signalisieren
durch nervöses Blinken "Starkwind". Die Wettervorhersagen
im Radio bestätigen diese Warnung. Trotz, oder gerade wegen dieser
Warnungen legen wir uns in den Wind. Bei Windgeschwindigkeit 5 kann nun
nicht mehr von dieser "leichten Thermik" gesprochen werden, wie
ich es am Samstag noch im Hafen von zwei alten Haudegen gehört hatte.
Auch ist an das tags zuvor, relativ bequeme Vesper kein Gedanke zu verschwenden.
Heftige Böen neigen das leichte Boot stark. Das Wasser bündig
mit den Planken des Decks zu sehen und 7 Knoten schnell über das Wasser
zu gleiten ist für mich bereits ein Nervenkitzel. Als Tobi, der kurzerhand
das Steuer übernimmt und dann als Gegenmaßnahme einer heftigen
Böe die Pinne herum reißt, verschwindet kurz die Leichtigkeit
aus den Augen der Besatzung. Doch Fredl, Gottseidank ein Profi, zeigt sich
als Herr der Lage und bringt den Kahn wieder in eine ungefährliche
Position. Ich muss zugeben, dass mein Magen an dieser Situation sehr wenig
Gefallen fand, doch zum Äußersten kam es nicht.
Nach einiger Zeit, die Meinungen gehen auseinander, was die Dauer in Minuten betrifft, spricht unser Skipper aus was doch viele sich insgeheim wünschen. "Segel einholen, wir fahren zurück zum Hafen". "Uff", höre ich ein Stimme in mir erleichtert. Ich werde das Gefühl nicht los, dass mein Magen an diesem Sonntag Eigenleben entwickelt hat. Selbst der Kaffe, den wir auf der gemütlichen Terrasse des Hafenrestaurants später einnahmen, schien ihn ungewohnt zu belasten. Doch da musste ich eben durch, denn unseren beiden Elektrospezialisten war ein willkommenes Opfer in die Hände gefallen. Fredel's Passat weigerte sich schlichtweg, ein Fenster zu schließen. Wenn zwei Elektroniker, beide mit Strom und Motoren "per Du" etwas zu reparieren finden, wird dies auch durchgezogen. Als Informatiker schaute ich bei soviel handwerklichem Geschick und Fachsimpelei in die Röhre und musste mich auf das besinnen, was ich kann: Kaffe trinken.
Heute ist Montag, ein Tag nach diesem Wochenende. Die Erinnerung noch frisch, und ich erinnere mich sehr gern ( trotz leichter Nachwehen im Magen- Darmtrakt ), möchte ich nur Eines noch loswerden: